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2016 Reformation und die eine Welt

 „Was da nur ge­tauft ist und an Chris­tus glaubt, gleich­viel, er sei aus dem Mor­gen­lan­de oder Abend­lan­de, so hat kei­ner einen Vor­teil vor dem an­de­ren.“ Mar­tin Lu­ther „Nur durch die Ein­be­zie­hung vie­ler un­ter­schied­li­cher Per­spek­ti­ven kön­nen wir das Bild der Mensch­heit, die Nöte von Got­tes Volk, voll­stän­di­ger er­ken­nen.” Be­ver­ly Wal­lace

Die bahn­bre­chen­de Er­kennt­nis re­for­ma­to­ri­scher Theo­lo­gie ist die be­din­gungs­lo­se Zu­sa­ge von Got­tes Liebe wie sie in Jesus Chris­tus sicht­bar ge­wor­den ist. Sie gilt allen Men­schen, un­ab­hän­gig von ihren Stär­ken und Schwä­chen, ihrer Her­kunft oder ihrem Ge­schlecht. Viele Frau­en und Män­ner haben diese Idee in den letz­ten Jahr­hun­der­ten in alle Teile der Welt und zu den un­ter­schied­lichs­ten Men­schen ge­bracht. Erst in den letz­ten Jahr­zehn­ten haben wir ge­lernt, dass die Kon­textua­li­sie­rung des Evan­ge­li­ums eine Be­rei­che­rung dar­stellt und keine Ge­fahr. Sie kann eine Quel­le für eine ge­rech­te Glo­ba­li­sie­rung sein.

Wir kön­nen heute un­se­re Ohren öff­nen für die Er­fah­run­gen und Sicht­wei­sen von Ge­schwis­tern, die uns eu­ro­päi­schen Chris­ten und Chris­tin­nen eher fremd sind, so zum Bei­spiel die afro-ame­ri­ka­ni­schen lu­the­ri­schen Theo­lo­gin­nen, die sich selbst „Wo­ma­nis­tin­nen“ nen­nen. Sie stel­len den täg­li­chen Über­le­bens­kampf schwar­zer Frau­en und ihre Le­bens­qua­li­tät ins Zen­trum ihrer theo­lo­gi­schen Ar­beit und ver­bin­den bei­des mit den re­for­ma­to­ri­schen Zen­tral­be­grif­fen „Frei­heit und Liebe“.

Damit neh­men sie gleich­be­rech­tigt Teil an den ak­tu­el­len „Tisch­ge­sprä­chen“ in der gro­ßen christ­li­chen Fa­mi­lie, von denen sie und an­de­re so lange aus­ge­schlos­sen wor­den sind. Wie las­sen wir uns durch ihre Le­bens- und Glau­bens­er­fah­run­gen neu her­aus­for­dern? Wie kön­nen wir ihre Im­pul­se als kost­ba­ren Schatz sehen, um auch un­se­re west­li­chen theo­lo­gi­schen Tra­di­tio­nen wei­ter zu ent­wi­ckeln? Wer­den wir so ein neues Bild von Got­tes Volk ent­wer­fen, das bun­ter, viel­fäl­ti­ger und voll­stän­di­ger ist, als wir es uns bis­her ge­dacht haben?

Tho­mas Schol­las, 04. Fe­bru­ar 2011